CD-Rezension / Review / Kritik

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daily planet two

Daily Planet
„Two“
(Progress Productions/Broken Silence)
Kaum ein Musikgenre wird derart chronisch unterschätzt wie der gute alte Synthie-Pop. Und das, obwohl kaum ein anderes in den letzten dreieinhalb Jahrzehnten derart viele wegweisende Bands hervorgebracht hat. Man denke nur an Depeche Mode, Eurythmics, Visage, New Order, Yazoo, Soft Cell, Psyche, Camouflage, S.P.O.C.K, und ... ach, um alle aufzuzählen, dafür reicht ja selbst hier der Platz nicht aus. Daily Planet gehörten einst zur dritten Welle des Synthie Pop, also zu jenen Bands, die in den Neunzigerjahren kurzzeitig von sich reden machten, aber schnell wieder von der Bildfläche verschwanden. 1996 brachten sie ihr Debütalbum „The Tide“ heraus, erst jetzt folgt der kurz und bündig „Two“ benannte Nachfolger. Besser spät als nie, denn Daily Planet machen alles richtig. Sie liefern klassischen Synthie-Pop, der nicht nur sehr melodiös ist, sondern diese unverwechselbare Mischung aus sanfter Melancholie und ausgelassener Fröhlichkeit verbreitet, die einen beim Zuhören ganz sentimental werden lässt. Nicht, dass früher alles besser gewesen wäre, aber wer den Schweden aufmerksam lauscht, der ertappt sich bei dem Gedanken, dass an dieser Aussage vielleicht doch etwas dran sein könnte. Annähernd perfekt beherrschen Daily Planet die Nostalgie-Klaviatur, doch ihre Songs wirken keinesfalls angestaubt, sondern frisch und lebendig. „Two“ ist zwar keine Revolution, keine außergewöhnliche Neuentdeckung, aber doch ein gelungenes Comeback einer Band, von der ich gerne mehr hören möchte.
Kai Reinbold

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 10/2014.


Thursday the 19th.
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