CD-Rezension / Review / Kritik

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filthy boy smile that wont go down

Filthy Boy
„Smile That Won’t Go Down“
(Stranger Records/Indigo)
Das wurde auch Zeit – endlich was Neues von Morrissey! Aber bevor jetzt die komplette Smiths-Fangemeinde kollabiert und der Kollege Karstedt nervös auf seinem Stuhl herumzurutschen beginnt: Hier geht es nicht etwa um den ehrwürdigen Pop-Dandy, sondern um einen gleichnamigen, aber bedeutend jüngeren Hüpfer. Der Brite Paraic Morrissey ist 20 und steht Filthy Boy vor, einer Band, die ihren namentlichen Anspruch direkt mit ihrem Debütalbum einlöst. Teilweise könnte man die Songs von „Smile That Won’t Go Down“ mit den lasziveren Momenten von Franz Ferdinand oder den Arctic Monkeys verwechseln, mit der Zeit wird aber klar, dass Filthy Boy sich nicht in hippen Indie-Discos oder staubigen Wüstenkäffern rumtreiben. Stattdessen führt das Quartett den Hörer in die gleichen schmierigen Nachtlokale, wo auch Ex-Humanzi-Sänger Admiral Black seine Seele an zwielichtige Vamps und an die Segnungen des Alkohols zu verkaufen pflegt. Zwar warnt der Frontmann zu geisterhaften Twang-Gitarren und Uh-Huh-Chören vor dem „Charm Of The Dangerous Minx“ und gibt im schleppenden „That Life“ den vordergründig braven Ehemann – doch spätestens bei der Zeile ‚This is my life and I’m here for the ride’ sind die Verlockungen dann doch stärker. Was in der „Naughty Corner“ oder mit dem „Biggest Fan Ever“ passiert, soll hier nicht näher erläutert werden, nur so viel: Der Morrissey, dessen Vorname Stephen ist, würde so etwas nie tun. Filthy Boy hingegen lassen nichts anbrennen. Erst recht nicht in Sachen dunkel glühender Brit-Rock und Vaudeville-Blues. Ein hinreißend lüsternes Album.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe11/2013.

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