CD-Rezension / Review / Kritik

Print

darkside psychic

Darkside
„Psychic“
(Other People/Matador/Beggarsgroup/Indigo)
Nicolas Jaar kann es vermutlich nicht mehr hören, wenn ihn jemand ein Wunderkind nennt. Das dürften nämlich viele tun, seit der New Yorker mit 18 Jahren die dortige Minimaltechno-Szene auf links zog und in der Folge sein vielbeachtetes erstes Album „Space Is Only Noise“ aufnahm. Live spielt Jaar – wie so viele elektronische Künstler zurzeit, die sich nicht in eine Schublade stopfen lassen wollen – allerdings mit Band, zu der auch der Gitarrist Dave Harrington gehört. Ebenfalls als Band und nicht bloß als Projekt wollen beide ihr gemeinsames Ding Darkside verstanden wissen. Warum, verdeutlicht das Debüt „Psychic“ mit einer Musik, die gleichzeitig streng arrangiert ist und improvisatorische Merkmale aufweist. Man mag zunächst ächzen, wenn der Einstieg „Golden Arrow“ mit zwölf Minuten droht, doch mit seinem behutsamen Aufbau und Harringtons erdenden Licks ist das Stück tatsächlich keine Sekunde zu lang. In der Folge mäßigen sich Darkside zwar in puncto Laufzeit pro Track, nicht jedoch bei deren Vielseitigkeit. Düster pumpende Rhythmen und Clicks evozieren Bassmusik mit doppeltem Boden, die Gitarre schwankt zwischen Twang, Slide und Talking Heads-Artigem, und Jaar überzeugt auch gesanglich, wobei er mal ähnlich weidwund wie James Blake, mal wie ein runtergepitchter Soul-Crooner vom anderen Stern klingt. Das ergibt abwechselnd gespenstisch kriechenden Downbeat oder futuristischen Talking Blues – und in der Summe ein hypnotisch einsaugendes Album, über das in der Jahresendabrechnung vermutlich noch zu reden sein wird.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 11/2013.

Friday the 20th.
2017 Sonic Seducer Magazin

©