CD-Rezension / Review / Kritik

Print
ASP zutiefst CD Cover

ASP „zutiefst“

(Trisol/Soulfood)
Einatmen, Luft anhalten und abtauchen in den (Unterwasser-)Klangkosmos von ASP. Mit „Sturz“ begibt man sich schon zu Beginn in einen apnoeartigen Sinkflug in die Dunkelheit. Die Akustikgitarren zu Auftakt von „20.000 Meilen“ lenken nur kurz davon ab, dass dieser Song ein rockiger Powersong ist, der den Hörer sofort mittels der gelungenen Melodieführung in den Bann zieht. Mit rund 9 Minuten Spielzeit überrollt den Hörer im weiteren Verlauf mit dem Titelsong „zutiefst“ ein Gothic Novel Rock-Song, der Poet Asp auf den Leib geschnitten ist: ein sprachlich ausgefeilter Refrain lässt die Vorliebe des Masterminds fürs Fabulieren aufblitzen. Während „SonaARta“ elegant in englischer Sprache dargeboten wird, fetzt „Torpedos“ wie ein irrer Unterweltroadtrip von Bonnie & Clyde los. Nach dieser Irrjagd holt Asp beim nächsten Song wieder aus, um epische Luftbläschen gen Meeresspiegel zu schicken. Gespenstisch gaukeln die sanften Pianoklänge eine vermeintliche Sicherheit vor, doch „Leviathan“ verdaut den Hörer schlussendlich mit gewaltiger Übermacht. Bei den folgenden drei Songs wird erlebbar, wie sanft und edel die als kantig verschriene deutsche Sprache sein kann, wenn sie durch Meister Asps Kehle in die Form eines Liedes gesungen wird: Vor allen Dingen das episch lange „Abyssus 1“ und die zweite Single „Bernsteinmeerengel“ sind packende Songs voll cineastischer Schönheit. Beschwörend und mit Hypnosewirkung: „Mondscheinsirenade“; „Sog“ hingegen zeigt, wie dicht Zart und Hart beieinander liegen können. Die gelungenen Bonustracks „Parole-Poesie!“ zu Ehren von Konstantin Wecker und „I Am A Rock“ (Cover von Simon & Garfunkel) zeigen eindrucksvoll, dass Asp musikalisch eben nicht nur in der Dunkelheit zu Hause ist.
Medusa

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 11/2017.
Sunday the 17th.
2017 Sonic Seducer Magazin

©