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CD-Rezension / Review / Kritik

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Matthew Collings A Requiem For Edward Snowden

Matthew Collings
„A Requiem For Edward Snowden“
(Denovali/Cargo)
Matthew Collings aus Edinburgh gehört zu jener Garde zeitgenössischer Komponisten, die den Lyrismen der sogenannten contemporary classic eine unbarmherzige Schroffheit und der oftmals gegenstandslosen Geistesmasturbation der experimentellen Kaste akute Brisanz entgegensetzen. So manch interessiertem Hörer dürfte sein Album „Silence Is A Rhythm Too“ noch in bester Erinnerung sein, auf dem der Schotte sparsam inszenierte Flächen mit zahllosen Störfaktoren veredelte. Bei „A Requiem For Edward Snowden“ handelt es sich um ein multimedial gedachtes Werk, das bereits in Glasgow und Utrecht zur Aufführung gelangt ist. Die entsprechenden Echtzeitvisuals (Jules Rawlinson) ergänzen nun auch die Veröffentlichung anhand eines Downloads. Doch auch ohne die optische Entsprechung entfaltet der unberechenbare Konflikt, den Elektronik und konventionelle Instrumente (Klarinette, Geige, Cello) hier untereinander ausfechten, eine mitunter gewaltsam tosende Aura ständiger Alarmbereitschaft, wenn nicht gar die eines Ausnahmezustands in Permanenz. Die mit Edward Snowden assoziierten Erkenntnisse hinsichtlich einer auch geostrategisch verwertbaren Totalkontrolle des Privaten deuten Matthew Collings und sein Ensemble im Sinne eines ständig aufs Neue irritierenden Szenarios aus Bedrohung, Verunsicherung und Angst. Insofern spiegeln die acht extrem ereignisreichen Tracks samt ihrer durchweg rabiaten Soundsprache jenen gesellschaftspolitischen Alptraum, aus dem es spätestens seit den Enthüllungen des Whistleblowers kein Erwachen mehr gibt. Gewichtige Thematik, angemessene Ausführung.
Stephan Wolf

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 05/2016.
Friday the 10th.
2017 Sonic Seducer Magazin

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