CD-Rezension / Review / Kritik

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xeno  oaklander topiary

Xeno & Oaklander
„Topiary“
(Ghostly International/Cargo)
Es wird allmählich Sommer, die 20-Grad-Marke ist überschritten – da kommt etwas Neues von Xeno & Oaklander zwecks Abkühlung wie gerufen. Schließlich wurde den beiden Minimal-Elektronikern Liz Wendelbo und Sean McBride nicht nur anlässlich ihres 2014er Albums „Par Avion“ Eiseskälte unterstellt. Auf „Topiary“ ist jedoch ein gewisser Temperaturanstieg zu verzeichnen – nicht zuletzt, weil McBride diesmal das Mikro komplett seiner Mitstreiterin überlässt. Mit äußerst reizenden Ergebnissen: Auch wenn sich Wendelbo dem Thema Liebe bevorzugt mit Begriffen wie ‚chemistry’ oder ‚architecture’ nähert, sorgt sie auf den neun Songs für das träumerisch-verführerische Element, das die behutsam synthetisch durchtupfte Single „Marble“ oder „Worlding Worlds“ zu reduzierten Charme-Bömbchen macht. „Palms“ und „Chimera“ gehen dank aggressiven Percussion-Geklackers und bassig aufbegehrender Sequenzen etwas mehr nach vorne – was dem gleichzeitig distanzierten und lasziven Flair von Xeno & Oaklander aber keinen Abbruch tut. Mit dem zweiteiligen instrumentalen Titelstück empfehlen sich die beiden dann noch für den Soundtrack einer Androiden-Version von „Twin Peaks“ und verziehen sich anschließend vermutlich wieder in ihre respektiven Kühlschränke. Sie haben es sich verdient.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 06/2016.
Saturday the 24th.
2017 Sonic Seducer Magazin

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