CD-Rezension / Review / Kritik

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tobacco ultima II massacre

Tobacco
„Ultima II Massage“
(Ghostly International/Cargo)
Heutzutage geht von Geisterbahnen allenfalls ein nostalgischer Reiz aus. Ohne Schickschnack bieten moderne Fahrgeschäfte den wahren Nervenkitzel, der einer gezielten Nutzung von Fliehkräften geschuldet ist. Auf „Ultima II Massage“ gelingt dem pennsylvanischen Soundschrauber Thomas Fec alias Tobacco eine wilde Sause, die beide Attraktionsgattungen verbindet. Eine rasante Fahrt durch unzählige Loopings, vor- und rückwärts, inklusive freiem Fall. Mit Leatherface als Beifahrer, der dazu seine Kettensäge munter knattern lässt. Doch dieser gleichsam beängstigende wie faszinierende Trip führt auch durch einige idyllische Passagen, die den Effekt positiver Stresserzeugung weiter steigern. Tobacco klingt nach trashigem Splatter und verruchtem Sleaze. Nach hemmungslos überhitzter Disco und gewagten Stellungsspielen in Lack, Leder und Lauge. Nach dem Motto: Ich nehme alles, was ich geil finde, verhackstücke es, und heraus kommt etwas noch viel Geileres. Und Thomas Fec weiß sehr genau, wie er mit seinen Vorlieben (von Gospel bis Electroclash) umzugehen hat, um sie in ein ungemein anregendes (und bisweilen saukomisches) Klangabenteuer zu verwandeln, das fordert und fördert wie ein endgültig bekloppt gewordenes Jobcenter. Fahrchips im Dutzend billiger. Eine Mordsgaudi!
Stephan Wolf

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 06/2014.

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