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CD-Rezension / Review / Kritik

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yann tiersen infinity

Yann Tiersen
„∞ - Infinity“
(Mute/GoodToGo)
Eigentlich ist Yann Tiersen ein tragischer Fall. An die zehn Alben hat der Franzose im Laufe seiner Karriere veröffentlicht, doch in Deutschland gilt er nur als der Typ, der den „Amélie“-Soundtrack gemacht hat. Das ist mittlerweile dreizehn Jahre her, doch die Erinnerungen an die verspielten Klaviermelodien und das traurige Akkordeon sitzen tief. Dabei hat Tiersen musikalisch deutlich mehr zu bieten. Nicht nur, weil er fast alle Instrumente seines Klangspektrums, das vom Glockenspiel über Klavier, Synths sowie jede Menge Saiten- und Streichinstrumente reicht, selber einspielt. Es sind auch keineswegs große, luftig aufbereitete Melodien, die den Tausendsassa interessieren. Auf „∞ - Infinity“ reizen ihn vielmehr ausufernde Krautstrukturen, denen er solange folgt, bis sie wie in „Ar Maen Bihan“ fast schon zum Postrock-Mantra werden. Gewisse Ähnlichkeiten mit Sigur Rós sind immer wieder zu vernehmen, vor allem was die in sich versunken wirkenden Percussionpassagen betrifft, aus denen wie bei „Lights“ unvermittelt die Melodien hervorbrechen. Dass  „Grønjørð“ und „Steinn“ färöisch und isländisch gesungen werden, unterstreicht den Eindruck zusätzlich. Auch wenn viele andere Musiker auf Nummer sicher gegangen wären: Der „Amélie“-Fan bekommt weder auf „∞ - Infinity“ noch auf den anderen Tiersen-Alben der letzten Jahre eine Fortsetzung des berühmt-berüchtigten Soundtracks zu hören. Doch vielleicht ist das insgeheim Tiersens Rache an seinem eigenen Erfolg. Als tragischer Held hat er die größtmögliche kreative Freiheit, die er von Album zu Album immer wieder nutzt.
Torsten Schäfer

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 06/2014.

Sunday the 15th.
2017 Sonic Seducer Magazin

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