CD-Rezension / Review / Kritik

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zex model mind slaughter

Zex Model
„Mind Slaughter“
(Desire)
Würde das Album mit einem Stück wie „Odyzzey“ oder „Great Beast“ beginnen und auf dem Cover „Back And Forth Series Vol. 8“ zu lesen sein, hätte man selbst als größter Fan kaum Zweifel daran, es handele sich beim Gehörten um verschollenes Material von Skinny Puppy. Die Ähnlichkeiten sind frappierend, in Teilen ist diese Scheibe gar eine exakte Kopie des Klangs, der lange Zeit als nicht reproduzierbar galt. Im Speziellen hat sich Paul Von Aphid aus Kaliningrad allem Anschein nach von frühen Puppy-Werken wie „Bites“ oder „Cleanse Fold And Manipulate“ inspirieren lassen. In Ansätzen flammte dieses Talent bereits beim Vorgängerprojekt Modern Howl auf, schlug später dann voll bei der ersten EP von Zex Model durch, die der Russe im Frühjahr mit dem Titel „First Mutation“ über Bandcamp veröffentlichte. Die Klientel hat nun natürlich schon eine vage Vorstellung davon, was „Mind Slaughter“ ist: Drogenschwangerer Dark Electro der traditionellen, rohen, sperrigen Art, wo viel im Midtempo-Bereich passiert, Samples und Flächen für Sounddichte sorgen und eine schwer kranke Stimme zu Polyrhythmen direkt ins Irrenhaus wankt. Einzig „Shining Blade“ fällt mit cleanen Vocals etwas aus dem Rahmen, wenngleich sich musikalisch Parallelen etwa zu einem „Antagonism“ auftun. Er konnte wohl nicht anders. Welch Glück, denn so gleicht dieses Teufelswerk einem Albtraum, aus dem man als Genrepurist nie wieder erwachen möchte.
Jörn Karstedt

Rezension aus Sonic Seducer 12/2013.


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