CD-Rezension / Review / Kritik

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toy join the dots

TOY
„Join The Dots“
(Heavenly/[PIAS] Cooperative/Rough Trade)
So so, die psychedelischen Londoner Shoegazer TOY fordern den Hörer also dazu auf, die Punkte zu verbinden. Welche sie wohl meinen? Die auf ihren vermutlich schlabberig-bunten Hippie-Hemden? Oder doch die mannigfaltigen Anhaltspunkte in der Rock-Geschichte, anhand derer das Quintett sein zweites Album zusammengesetzt hat? Zu entdecken gibt es auf „Join The Dots“ jedenfalls genug. Etwa langgezogene, krautbeflissene Monotonie-Grooves, als würden Can auch nach 40 Jahren immer noch dasselbe Stück spielen, weil sie nicht wissen, wie oder warum sie aufhören sollen. Oder diesige Shoegaze-Wälle aus blickdichten Gitarren, die aber weich in einen Farbenrausch hinein explodieren, statt wie bei My Bloody Valentine in Noise-Kollisionen zu enden. Zuweilen schauen sogar Sonic Youth um die Ecke und nicken wohlmeinend mit dem Kopf, da TOY auch ein wenig eng gewebten Indie-Rock amerikanischer Prägung in ihre Songs einarbeiten. Vor mitunter ausufernden Tracklängen scheuen sich die Briten nach wie vor nicht – das Titelstück und der Rausschmeißer „Fall Out Of Love“, der als Indie-Pop beginnt und dann immer wieder in disziplinierten Lärm umkippt, dürften sogar noch viel länger dauern als neun Minuten. Und wenn einmal nach der Hälfte der Zeit schon alles gesagt ist, machen TOY eben eine Single draus. „Endlessly“ hält also nicht ganz, was der Titel verspricht, gibt dafür aber eine hervorragende Eintrittskarte in dieses köstliche Album ab. Mal wieder volle Punkt-Zahl.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer 12/2013.



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