CD-Rezension / Review / Kritik

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tien lai daat


T’ien Lai
„Da’at“
(Monotype/Cargo)
Wer bei der Lektüre von Philip K. Dicks Geschichten sehr gut aufgepasst hat, weiß sofort Bescheid, woher der Bandname stammt. Und zumindest in „Jitron“ könnte man T’ien Lai glatt abnehmen, dass sie in einer anderen Zeit Werbemusik für eine Zigarettenmarke machen. Das Duo nutzt gleichermaßen den Klangvorrat urbaner Räume und asiatischer Traditionen. Daraus entstehen detailverliebte, mitunter überbordende Drones. Wie die Akteure in vielen von Dicks Geschichten scheinen auch T’ien Lai sprichwörtlich aus der Zeit zu fallen: Hypnotische Loops, endlose Echoräume, Radiogedudel, Meeresrauschen und Maschinenlärm verhindern jegliche Lokalisierung. Ort und Zeit, an dem sich „Da’at“ abspielt oder abspielen könnte, umfassen ungezählte Möglichkeiten, die meisten davon erscheinen für das Individuum als Bedrohung. Der bedauerlicherweise verstorbene Dick hätte vermutlich seine Freude an T’ien Lai gehabt.
Sascha Bertoncin

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 03/2014.

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