CD-Rezension / Review / Kritik

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Sällskapet Disparition CD Cover

Sällskapet „Disparition“

(BMG Rights Management/Warner)
Dass der notorische schwedische Punk Joakim Thåström, unter anderem bekannt durch die rabiaten Electro-Rocker Peace Love And Pitbulls aus den 90er Jahren, einmal ein ritualistisches Industrial-Kollektiv gründen würde, hatten vermutlich die wenigsten auf dem Zettel. Aber halt: Anders als sein langjähriger Weggefährte Niklas Hellberg ist der Mann auf dem dritten Sällskapet-Longplayer gar nicht mehr dabei. Oder vielmehr kaum: Zu hören ist Thåström lediglich als zweite Stimme des knorrigen Dark Rockers „L’Autostrada“ neben einer ungleich präsenteren Duettpartnerin. Nahezu alle Songs von „Disparition“ singt nämlich Andrea Schroeder aus Berlin, die ansonsten mit rauchiger Stimme und Musik zwischen Torch-Song und Swamp-Rock fasziniert. Das wirkt im ersten Part des Titelstücks, als wäre eine somnambule Nico aus dem Jenseits eingeschwebt, hätte Tess Parks in die Besenkammer gesperrt und sich bei The Brian Jonestown Massacre ans Mikro gestellt oder als würde sie in „Morgenlicht“ mit Sällskapet zusammen Suicide zehn Jahre im Voraus und auf Deutsch erfinden. Und schon jetzt ist das Ganze eine herrlich verqualmte Referenzhölle, in der Schroeder gravitätisch über Tod und Liebe sinniert, während sich Hellberg und Kollege Pelle Ossler an Glühwürmchen-Ambient, Post-Punk und Dark Folk abarbeiten. Die Stimmung ist dicht, Themenfragmente tauchen immer wieder auf, bis „Disparition“ zu schwachem Hauchen, Drone-Flächen und Akustikgitarren blubbernd im dunklen Fünfuhrtee der Seele versinkt. Doch dieses Album wird man schnell wieder hochholen. Ganz bestimmt.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 03/2018.
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