CD-Rezension / Review / Kritik

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Stoneburner The Agony Box CD Cover

Stoneburner „The Agony Box“

(Negative Gain)
Na, habt ihr auch „Der Wüstenplanet“ gelesen und Euch gefragt, was wohl am besten für Musik dazu laufen könnte? Falls ja, teilt Ihr diesen Gedankengang mit Steven Archer. Der Amerikaner, den man hauptsächlich als männliche Hälfte des düsteren Electro-Duos Ego Likeness kennt, setzt seine klangliche Vision der Science-Fiction-Schwarte mit Stoneburner nun schon auf dem dritten Album in die Tat um. Dabei tobt sich der Mann aus Baltimore an seinen Maschinen auf höchst psychedelische Art und Weise aus: Donnerndes Trommelfeuer und beschwörende Tribal-Gesänge aus aller Welt gehören hier genauso zum hypnotischen Tanz wie eine verwilderte Version technoider Goa-Trance – statt also magische Pilze zu futtern, führe man sich lieber Tracks wie „Osafa Chram“ oder „Shishaklis Hooks“ zu Gemüte, was in etwa den gleichen Effekt haben dürfte. Lässt Archer die Beats Tempo aufnehmen, bis sie vor die Wand zu fahren drohen und schneidet zerstückelte Ethno-Stimmfetzen hinein, erreicht er zuweilen sogar die industriell-bewegliche Wucht des Fuck Buttons-Seitenprojekts Blanck Mass und platziert sich damit prominent zwischen Industrial, Ritual und diszipliniertem Noise. Also bitte Ohren und Synapsen auf bei diesem faszinierenden Trip durch ein so zerbeultes wie hyperaktives Bewusstsein.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 12/2017.
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Tuesday the 16th.
2017 Sonic Seducer Magazin

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