CD-Rezension / Review / Kritik

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se delan the fall

Se Delan
„The Fall“
(Kscope/Edel)
Schwarze Raubvögel, die schreiende Kinder in weißen Kleidchen tragen und dazu noch der Titel „The Fall“. Dieses augenzwinkernd-morbide Bild haben Se Delan mit dem Cover ihres Debütalbums zu verantworten. Das englisch-schwedische Duo besteht aus keinem Geringeren als Crippled Black Phoenix’ Justin Greaves, der mit Belinda Kordic gemeinsame Sache macht. Die hatte zuvor als Killing Mood Solopfade beschritten. Se Delan lassen sich mit gutem Gewissen als musikalische Neuerfindung beider Parteien bezeichnen. Weder sind hier düster- und dumpf-schleppende Gitarrenpassagen zu finden noch songwriter-folkige Versatzstücke. Allenfalls das kantige und mit einem Stimmsample unterlegte „The Hunt“ könnte potentiell auch auf einem CBP-Album zu finden sein. Dabei entpuppt sich das, was beim ersten Durchlauf noch ruhig und, böse ausgedrückt, etwas gefällig geklungen hat, alsbald als ordentlich düster. Schuld daran sind die zarten Vocals Kordics, die immer wieder um die Vorherrschaft mit stampfenden Drums und vibrierenden Gitarrenläufen ringen müssen und den Hörer gewissermaßen zu Zeugen eines ewigen Kampfes machen. Dabei wird Kordics Stimme, mit dem restlichen Soundbild verschmelzend, nicht selten selbst zu einem der Instrumente. So wie im Jefferson Airplane-Cover „Today“, wo ihre Lyrics es sind, die ein Soundbett für Greaves’ Gitarre schaffen anstatt umgekehrt. Was sind schon Hierarchien?
Hannah M. Seichter

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 04/2014.