CD-Rezension / Review / Kritik

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Tiga No Fantasy Required

Tiga
„No Fantasy Required“
(Counter Records/Ninja Tune/Rough Trade)
„Love Don’t Dance Here Anymore“ – Tiga Sontags letztes Album „Ciao!“ endete mit einem schwermütigen Abschiedsgruß zum Abschluss des Clubabends. Der dritte Longplayer des Kanadiers macht mit dem verhuscht-kargen Titelstück an ziemlich genau der gleichen Stelle weiter und ist eingangs mehr gedrückter Electro-Pop als Dancefloor. In der Folge pendelt Tiga zwischen nervösen Zuckungen und melodischen Seufzern, sodass „No Fantasy Required“ beide Seiten seines Schaffens bestmöglich vereint. Auch das rührselige „Tell Me Your Secret“ und das oft mit mehr als einem Auge zwinkernde „Blondes Have More Fun“ präsentieren sich songorientiert, während anderswo Basslinien knarzen und harte Beats wummern. Dazu gibt es im vorlauten „3 Rules“ nicht ganz ernst gemeinte Lebenshilfe und bei „Bugatti“ eine unüberhörbar dicke Hose – natürlich nur im übertragenen Sinne. Klar, dass da gerne prominente Kollegen aushelfen: Matthew Dear alias Audion schraubt genauso mit wie Weggefährte oder Sin Cos Tan-Hälfte Jori „Zyntherius“ Hulkkonen, und auch der schwer angesagte Kanye West-Günstling Hudson Mohawke lässt sich beim runtergepitchten Acid-Brocken „Planet E“ nicht lumpen. Noch schnell eine Reminiszenz an den alten Hit „Pleasure From The Bass“ in „Don’t Break My Heart“ eingebaut – dann sollten alle zufrieden sein mit einem Album, das in der Tat keine Fantasie braucht: Man möchte es lieber hören, statt es sich nur vorzustellen. Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 04/2016.

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