CD-Rezension / Review / Kritik

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this april scenery liminality

This April Scenery
„Liminality“
(Midsummer Records/Cargo)
Vorsicht! Bei diesem Quartett handelt es sich um Vertreter einer unberechenbaren neuen Spezies: Die Aggro-Gazer sind unter uns. Menschen, die ihre Schuhspitzen fixieren, nur um einem im nächsten Moment ins Gesicht zu springen oder Omas Stehlampe zu zertrümmern. Typen, die manchmal ein bisschen so singen, als hätten sie alle Cure-Alben im Plattenschrank, und dann plötzlich ins Mikro brüllen, dass der Mann am Mischpult sein Bier fallen lässt und hektisch nachregelt. This April Scenery praktizieren den Grenzgang zwischen der Energie von The Mars Volta („Modern Hustle“) und Breitwand-Melancholie, in der 90er-Untergrund und Post-Hardcore zusammenfinden („Caught In Mediocrity“). Sie verfallen nie in psychedelische Frickeleien, stürzen sich aber in progressiv angehauchtes Geballer („Euclid Avenue“). Hier werden Szenegrenzen in ihren Grundfesten erschüttert. Das klingt oft britisch, ist aber erfreulich weit von den zuletzt etwas überstrapazierten Joy Division- oder Editors-Anklängen entfernt. Die seit 2009 aktiven Nordrhein-Westfalen haben ihre Fusion von Schweben und musikalischem Erdbeben perfektioniert. Bestes Beispiel: die ausladende Schlussnummer „Windy Cill“, die stimmungsvolle, ruhige Passagen und vehemente Ausbrüche zusammenführt. Die Produktion von Sänger/Gitarrist Nico Vetter ist satt. Die Snare klingt markerschütternd voluminös. Der Bass brummt, dass Hornissen verschüchtert den Stachel einkneifen. Es wird Zeit, dass diese Band endlich mehr Gehör findet.
Christoph Kutzer

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 05/2016.


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