CD-Rezension / Review / Kritik

Drucken
se delan drifter

Se Delan
„Drifter“
(Kscope/Edel)
In weiter Ferne, nur durch einen diffusen Schleier wahrnehmbar, ist da dieser Gesang, der Sirenen gleich den Hörer verzaubert und auf die Reise ins eigene Innere sendet. Wenn Belinda Kordic auf „Drifter“ ihrer Sehnsucht musikalische Gestalt gibt, so geschieht dies stets mit dem Gefühl, Zeuge einer sehr intimen Häutung zu sein. Se Delan, das ist neben Belinda Multiinstrumentalist Justin Greaves, der in den ausufernden Klangcollagen seinen Ideen einen Ausdruck verschafft. Dominierend fallen dabei zwar Gitarren und Schlagzeug aus, doch ohne die feinen Akzente vom Piano, beispielsweise im wunderschönen Outro von „All I Am“ oder die synthetischen Streicher in „In Obscura“ würde den Tracks viel fehlen. Post-Rock und Shoegaze, aber auch Indie im Stile der krawalligen The Jesus And Mary Chain lässt sich hier erkennen. Seine stärksten Elemente zeigt „Drifter, übrigens das zweite Album des Duos, in seinen poppigen Momenten, während lärmendes, von Gitarren geprägtes Durcheinander wie bei „Shadowbox(ers)“ eher entbehrlich ist. Nach einer Weile ergeben jedoch alle Teile ein großes Ganzes und nur noch schwer kann man sich dem Flow der Produktion entziehen. Kein Album für zwischendurch.
Peter Heymann

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 05/2016.

Saturday the 21st.
2017 Sonic Seducer Magazin

©