CD-Rezension / Review / Kritik

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sündenklang tränenreich

Sündenklang
„Tränenreich“
(Sündenklang Records/Soulfood)
Mit dem Albumtitel ist den Stahlmann-Musikern, die hier das Debüt ihres Seitenprojektes vorlegen, ein raffiniertes Wortspiel gelungen. Obendrein passt er fraglos zum musikalischen Konstrukt. Denn fernab ihrer üblichen NDH-Pfade bewegen sich die Musiker auf diesem Werk in Gefilden emotionaler, zumeist eher ruhiger, atmosphärischer Klanggestaltung. Es ertönen fragile Pianoläufe, sorgsam eingesetzte Half-Time-Beats, Streicher-Passagen; insgesamt eine Soundästhetik, die dem TripHop nicht unähnlich ist. Über allem thronen oftmals geraunte, dann in eingängige Melodien übergehende, nur hier und da rauer werdende Gesänge, die Texte über Verletzlichkeit, Sehnsucht und Melancholie transportieren. In ihnen blitzt nicht selten die schon bei Stahlmann des Öfteren zelebrierte Lust auf, sich in der Anbetung der Schönheit des weiblichen Geschlechts zu verlieren, ihr sklavisch zu verfallen („Spiel Dein Spiel mit mir!“, „Für einen Kuss von Deinen Lippen würd ich vergehen“). Doch es werden, zuweilen in scharfen, zynischen Wortspielen, auch Themengebiete wie Religionskritik angegangen („Du hast mich verraten, gebrochen… Du bist mein Herr. Wir sehen uns gleich…“). Nur selten brechen harte Gitarrenriffs in den Vordergrund, es wird zumeist mit subtileren Arrangementfinessen gearbeitet. Und allein zwei Songs des Reigens machen den Rezensenten stutzen, ob die tiefe Leidenschaft der Darbietung nun schon schlagerhafte Züge aufweist. Alles in allem beweisen die Jungs mit diesem Werk ihre Fähigkeit, ein ganz neues musikalisches Territorium für sich zu entdecken.
Kym Gnuch

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 02/2014.

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