CD-Rezension / Review / Kritik

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solstafir otta

Sólstafir
„Ótta“
(Season Of Mist/Soulfood)
Hält man sich den bisherigen stilistischen Werdegang dieser geschmackvollen Isländer vor Augen und vor allem Ohren, kann man nur andächtig staunen. Und zwar ob der überzeugenden Wandelfähigkeit ebenso wie betreffs der qualitativ stabilen Beibehaltung der eigenen Klasse. 2011 erschien der vierte Langspieler „Svartir Sandar“, worauf Sólstafir gewollt in sehr eigenwillige Avantgarde Dark Rock-Gefilde abdrifteten. Das erste neue Album seit damals stellt nun „Ótta“ dar. Ein Werk, auf dem sich das Quartett mit der selten lässigen Einstellung aus Reykjavík in betörend psychedelische Post Rock/Metal-Sphären wagt. Doch das Endergebnis klingt so harmonisch und nahtlos, als hätten die Urheber nie etwas anderes zum ihrem einzigen Lebenszweck auserkoren. An zweiter Stelle der achtteiligen Tracklist befindet sich mit dem Titelsong „Ótta“ ein hypnotisches Stück erlauchtester Sólstafir-Exzellenz. Für die Ewigkeit. Bedächtig, einfühlsam, hitmelodisch und so prächtig stimmig. Letztere Einschätzungen mache ich übrigens für die gesamte Veröffentlichung geltend, welche ebenso einzigartig wie brillant geworden ist. Sein hörbar untrüglicher Glaube an das eigene Können kommt Gitarrist und Sänger Aðalbjörn Tryggvason nicht nur auf dem Vokalsektor massiv bestärkend zugute. Er beschwört zusammen mit Saitenkollege Sæþór Maríus Sæþórsson auf geradezu zärtlich durchdringende Weise Feinheiten und Schönheiten herauf, wie man sie in derlei Musik beileibe nicht vermuten möchte.
Markus Eck

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 09/2014.

Saturday the 24th.
2017 Sonic Seducer Magazin

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