CD-Rezension / Review / Kritik

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pyrolator wunderland

Pyrolator
„Wunderland“ [Re-Release]
(Bureau B/Indigo)
Das „Inland“ und „Ausland“ hatte Kurt Dahlke alias Pyrolator Ende der Siebziger/Anfang der Achtziger erkundet, während er parallel Ata Tak aufzog und die Neue Deutsche Welle mit zunehmendem Kommerz innerhalb kürzester Zeit immer trivialer wurde und verflachte. Dahlke hielt sich immerhin mit seinen Labelbands nach Möglichkeit aus der Ramschkiste des NDW-Schlagers raus, doch selbst auf seinen eigenen Alben lässt sich eine zunehmende Zugänglichkeit nicht leugnen. War „Inland“ noch ein Aufbegehren wider der Struktur, öffnete sich „Ausland“ schon Einflüssen aus New Wave und Synthpop. „Wunderland“ von 1983 unterdessen zeichnet sich zwar durch eine Milde gegenüber Ohren aus, doch liegt musikalisch weit abseits von „Ausland“. Latin-Rhythmen, Cha-Cha und Mambo treffen auf flötende Keyboards und weben einen Klangteppich aus experimenteller Muzak, den man fast Prä-Chill-Out nennen möchte. Es ist wohlige Weichzeichner-Musik, für die Titel wie „Ein Herrenzimmer in Schottland“ oder „Gespräch mit der Erde“ programmatisch sind. Und doch sind die Tracks, aus denen immer wieder gesampelte Tierlaute fauchen, kreischen und quieken, maximal vom damaligen Zeitgeist entfernt. Mit fünf Bonustracks wartet der Re-Release des Albums auf, das aus heutiger Sicht etwas angestaubt klingt, aber als Dokument noch Relevanz besitzt.
Torsten Schäfer

Rezension aus Sonic Seducer 12/2013.


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