CD-Rezension / Review / Kritik

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pvris white noise


Pvris
„White Noise“
(Rise Records/Velocity Records/Cargo)
Auftritte bei der Vans Warped-Tour, großflächige Tätowierungen bei den männlichen Mitgliedern, eine Post-Hardcore-Vorläuferband namens Operation Guillotine – es würde nicht verwundern, wenn das Debüt von Pvris aus Massachusetts eine ziemlich hartwurstige Angelegenheit wäre. Ist es aber nicht. Da kann das Trio um Frontfrau und Gitarristin Lyndsey Gunnulfsen, die von der Presse gerne als Lynn Gunn abgekürzt wird, noch so kämpferisch dreinschauen: Auch die Alternative-Rocker mit der leicht abgeänderten französischen Metropole im Namen wollen auf „White Noise“ eigentlich nur auf den (bedruckten) Arm. Das wird spätestens klar, wenn Gunnulfsen ihre voluminöse Stimme erhebt, die sich nur gelegentlich einer mutmaßlichen Screamo-Vergangenheit erinnert und ansonsten Hayley Mary von The Jezabels nicht unähnlich ist. Was für vieles auf „White Noise“ gilt: Die erste Single „St. Patrick“ zum Beispiel kann die Ähnlichkeit mit „Beat To Beat“ vom letzten Album der Australier nicht verhehlen. Auch zahlreiche andere Stücke erfüllen den Tatbestand emotional aufgeladenen Synthie-Rocks, der seine Energie aus kräftiger Produktion und nach vorne gemischten Drums bezieht. Nur wenn in „Holy“ ein waschechter Kraftwerk-Synthie übernimmt, könnten zumindest die harten Jungs kurz die Nase rümpfen – doch machen „Fire“ oder der Rausschmeißer „Let Them In“ dann wieder mehr Druck auf dem Kessel, sind auch diese versöhnt. Alle anderen sollten dieses fett auf den Punkt rockende Album ohnehin längst ins Herz geschlossen haben. Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 02/2015.

Saturday the 24th.
2017 Sonic Seducer Magazin

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