CD-Rezension / Review / Kritik

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no sleep by the machine splice

No Sleep By The Machine

„Splice“
(E-Picenter)
Electro und EBM aus Schweden ist mit ganz wenigen Ausnahmen immer stark inspiriert von mindestens einem der Wegbereiter und mit noch weniger Ausnahmen herausragend. Einige der besten Epigonen von Skinny Puppy, Front 242 oder Nitzer Ebb haben wir unseren Nachbarn aus Skandinavien zu verdanken, und auch wenn man über den Sinn solcherlei Musik geteilter Meinung sein kann, half sie doch über manche Jahre der Dürre hinweg. No Sleep By The Machine reihen sich in gewisser Weise ein und stehen trotzdem mit einem Bein weiter vorn. Das Trio rührt nur an diversen Wurzeln und treibt darauf mächtige eigenständige Gewächse aus. Ganz oben steht Sänger TB, der aus chronisch geschwollenem Hals brüllt. Darunter kommen Drums und oft metallisch klingende Percussions, dann erst elektronisches Beiwerk aus Sounds, Samples und Sequenzen, deren Spuren klar differenzierbar sind. Seziert man dem ersten Eindruck nach massiv nach Vancouver klingende Stücke wie „Kerfuffle“ oder „Ancorburn“, ist spätestens nach der ersten Schicht zu viel Luft und offene Aggression zu finden, als dass der Vergleich noch standhielte. Überhaupt ist NSBTM wohl weniger daran gelegen, schön zu sein. Bei ihnen ist alles ungeschliffen und direkt. Das Ergebnis ist mal straight und sehr club- oder livetauglich wie „Mammonth“, mal aber auch fern jeder Songstruktur und nur auf Rhythmus und Vocals konzentriert, womit sicher nicht jeder klarkommt. Dennoch: Neben Youth Code der interessanteste und vielversprechendste Newcomer im Bereich harter traditionsbewusster Elektronik.
Jörn Karstedt

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 04/2014.


Friday the 18th.
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