CD-Rezension / Review / Kritik

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Leprous Malina CD Cover

Leprous „Malina“

(Insideout Music/Sony)
Nein. Mit Ingeborg Bachmanns enigmatischem Roman „Malina“ hat das neue Album der Norweger inhaltlich nichts zu tun. Ein wenig verrätselt und verschachtelt ist ihre Musik aber allemal. Erschwerend kommt hinzu, dass beim Erstkontakt natürlich immer noch das Label Progressive-Metal im Hinterkopf herumschwirrt. Vielleicht auch die Tatsache, das Leprous schon als Backing-Band für Ihsahn (Emperor) aktiv waren. Die metallischen Spurenelemente muss man diesmal allerdings bewusst herausfiltern. In „Coma“ mit seinem furiosen Drumming könnte man fündig werden. Oder in „The Weight Of Disaster“. Wobei Stoff für Headbanger auch hier nur in vergleichsweise geringen Dosen nachweisbar ist. Dafür darf in anderen Passagen an Radiohead gedacht werden, obwohl Frontmann Einar Solberg natürlich ganz anders klingt als Tom Yorke. Es geht eher um das Verhältnis von Rhythmen und Gesang, die zwischendurch fast unabhängig voneinander zu verlaufen scheinen („Illuminate“). Entsprechend führt die unleugbar anklingende Poppigkeit nicht per se zu direkter Zugänglichkeit. Zu groß ist die Vorliebe der Musiker für verschobene Rhythmen, virtuose Einlagen und überraschende Wendungen. Innerhalb der Prog-Gemeinde könnte „Malina“ trotzdem für zusätzliche Popularität sorgen. Es wäre der Band, die es sich nie einfach gemacht hat, von Herzen zu gönnen.
Christoph Kutzer

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 09/2017.
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