CD-Rezension / Review / Kritik

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sivert hoyem endless love

Sivert Høyem
„Endless Love“
(Hektor Grammofon/Rough Trade)
Irgendwie ahnten wir ja schon immer, dass Sivert Høyem mindestens genauso viel Anteil am düster wühlenden Sound von Madrugada hatte wie der unter tragischen Umständen verstorbene Gitarrist Robert Burås. Seine Soloalben wie „Moon Landing“ bestätigten diese Vermutung eindrucksvoll, und auch „Endless Love“ beginnt mit einem klirrend zerplatzenden Riff – nur dass der Titelsong dieses nach kurzer Zeit in Konkurrenz zu einer schwer atmenden Drummachine treten lässt. Danach pluckert es jedoch kaum noch einmal elektronisch auf dem fünften Album des Norwegers, das wie die Vorgänger von unterschwellig bedrohlichen Stimmungen voll dunkler Romantik und natürlich von Høyems eindrucksvollem Bariton lebt. Beim balladesken Abschluss „Ride On Sisters“ schwingt er sich gar in ungeahnte Höhen auf. Auch die luftige Akustikminiatur „Free As A Bird / Chained To The Sky“ gibt einen wunderbaren Ruhepol inmitten vieler dramatisch kreisender Songs ab. Die Berlin-Erinnerung „Görlitzer Park“ tastet sich fiebrig in der Dunkelheit vorwärts, durch „Handsome Saviour“ geistert weiblicher Backgroundgesang nach Soulsavers-Art, und in „Enigma Machine“ fragt Høyem zweifelnd: „When will I reach my destination?“. Letzteres weiß vermutlich nur er selbst – das Ziel, ein weiteres grandioses Album vorzulegen, auf dem man seine ehemalige Band zu keinem Zeitpunkt vermisst, hat er mit „Endless Love“ aber zweifellos erreicht.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 06/2014.

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