CD-Rezension / Review / Kritik

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Gazpacho Soyuz CD Cover

Gazpacho „Soyuz“

(Kscope/Edel)
Hurra, sie sind wieder da! Die norwegischen Gemütswandler, die sich auf ihrem letzten, leider gnadenlos verkopften „Molok“ (samt Weltuntergang-Erzeugungspotenzial) von dem Grat der Nachvollziehbarkeit gehörig verabschiedet hatten. „Soyuz“ knüpft hingegen wieder bei früheren Großtaten (allen voran „March Of Ghosts“) an: Mit kalorienreich versehenen Melodiebögen. Mit einer Emphase, die kaum zwischen Depression und Euphorie entscheiden lässt. Und mit der ältesten Aufnahme einer (menschlichen) Stimme, von 1860. Derlei kapriziöse Schlenker seien gegönnt und verziehen. Denn selbst wenn Gazpacho ihren konzeptionellen Anspruch weiterhin hoch veranschlagen - mit „Soyuz“ treffen sie wieder mitten ins schwielende Herz der emotional kalibrierten Achterbahn voller verrostet geglaubter Arretierungen. Sogar der standesgemäße Longtrack („Soyna Out“, dreizehn plus einhalb Minuten) wahrt die Fokussierung auf eine Lossprechung, wie sie „Major Tom“ dereinst kaum treffender hätte formulieren können. Abschied vom Alltag? „Soyuz“ ersetzt gar jegliche Reise. Wem selbst Billigflieger inzwischen zu teuer geworden sind, der kann anhand dieses Albums sein Fernweh kurieren. Klasse Lautsprecher oder noch bessere Kopfhörer allerdings vorausgesetzt.
Stephan Wolf

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 05/2018.
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Tuesday the 23rd.
2017 Sonic Seducer Magazin

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