CD-Rezension / Review / Kritik

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Gnaw Their Tongues Genocidal Majesty CD Cover

Gnaw Their Tongues „Genocidal Majesty“

(Consouling Sounds)
Hier ist zwar nicht der Teufel am Werk, diabolische Musik gibt es auf „Genocidal Majesty“ aber in Reinform. Würden Crowley, LaVey und de Sade in einer Band spielen – das hier wäre das Ergebnis. Noise-Kakophonien, die dem tiefsten Höllenschlund zu entströmen scheinen, jammervolle Schreie, dazu allesverschlingende, schwarzen Löchern gleiche Drones, Death Industrial-Soundwalls und geisterartige Schatten von Black Metal-Riffs; es ist schwer in Worte zu fassen, was Gnaw Their Tongues auf das 20. Studioalbum bannten. Es klingt wahrlich, als würde Mastermind Mories verlorene Seelen aus dem Jenseits in einer Séance beschwören, sämtliche schaurigen Sounds aus deren Sphäre aufnehmen und zu einem großen, pechschwarzen Ganzen zusammenfügen. Hierbei geht der niederländische Multiinstrumentalist allerdings beeindruckend grazil vor – selten war in so einem scheinbar alptraumartigen Soundteppich so viel Grandeur zu finden. Wer sich an „Genocidal Majesty“ wagt, sollte im akustischen Toleranzbereich wirklich hartgesotten sein – die Sounds dröhnen und wummern, werden übersteuert, so dass jede Anlage in den roten Bereich gezwungen wird – es ist verstörend, einnehmend, schwer verdaulich – aber auch betörend schön. Eine akustische Katharsis vom schnöden musikalischen Einheitsbrei. Wortwörtlich.
Catrin Nordwig

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 03/2018.
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Thursday the 23rd.
2017 Sonic Seducer Magazin

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