CD-Rezension / Review / Kritik

Drucken
The Godfathers A Big Bad Beautiful Noise CD Cover

The Godfathers „A Big Bad Beautiful Noise”

(Godfather’s Recordings/Cargo)
Wenn junge Bands dem Klang vergangener Tage huldigen, wird das gerne damit begründet, dass dieser Sound lebendig gehalten werden müsse. Gäbe es mehr Combos wie die Godfathers, müssten wesentlich weniger Retrorocker ran. Die 2008 wiederbelebte Legende verwaltet das eigene Erbe lieber selbst und das auf einem Niveau, das dem großen Namen alle Ehre macht. Der Punk-Spirit von „Defibrillator“ klingt so frisch, als habe jemand die Uhr 33 Jahre zurückgedreht – in eine Zeit, als die Band noch The Sid Presley Experience hieß. „Feedbackin’“ knallt wie die End-80er-Nummer „Cold Metal“ von Iggy Pop. Die Außenseiterhymne „You & Me Against The World“ bewegt sich in melancholisch-balladesken Gefilden und wird durch eine sägende Gitarre vor dem Schmalz bewahrt. Da dürfen dann gern auch ein paar Pianotöne im Hintergrund aufblitzen. Nach den Godfathers klingt das Stück ebenso unverkennbar wie die rotzigeren Kompositionen, was nicht zuletzt der charismatischen Stimme von Peter Coyne zu verdanken ist. Schöner Lärm – der Albumtitel trifft es ganz gut, denn zum einen beweisen die Herren Gottväter immer wieder Ohrwurmqualitäten, zum anderen ummanteln sie die Eingängigkeit der Songs gerne mit viel Geräusch. Das fängt beim fuzz-lastigen Opener „A Big Bad Beautiful Noise” an. Dabei bleiben die Songs stets abwechslungsreich: Während „One Good Reason“ die Entspanntheit der Rolling Stones in Hochform mit dem Pop-Appeal der Soup Dragons vereint, ruft „Poor Boy’s Son“ Erinnerungen an The Gun Club wach. „Miss America“, ein Abgesang auf den amerikanischen Traum zwischen Lakonie und Leidenschaft., setzt schließlich den Schlusspunkt hinter ein Album, das das Beste der Godfathers-Diskographie mit bestechender Frische zusammenführt.
Christoph Kutzer

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 03/2017.
Powered by Spearhead Software Labs Joomla Facebook Like Button
Sunday the 26th.
2017 Sonic Seducer Magazin

©