CD-Rezension / Review / Kritik

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mick harvey delirium tremens

Mick Harvey
„Delirium Tremens“
(Mute/GoodToGo)
Der 1991 verstorbene Tausendsassa Serge Gainsbourg pflegte eine ganze Reihe von Spitznamen zu führen, die seiner Neigung zur Zweideutigkeit entsprachen. Mit dem in diesem Sinne selbstreferenziell betitelten „The Man With The Cabbage Head“ („L‘Homme À Tête De Chou“) steigt Mick Harvey in den dritten Reigen seiner Coverversionen des französischen Universalgenies ein, 20 Jahre nach Erstveröffentlichung der vorangegangenen Teile „Intoxicated Man“ und „Pink Elephants“. Er habe sich nun jener Songs angenommen, die ihm dereinst für eine Übertragung ins Englische noch als ungeeignet erschienen, erklärt der zurzeit mit seiner Namensvetterin PJ Harvey tourende Australier. Doch er muss sich selbst eingestehen, dass es ihm eine Freude war, die zunächst verworfenen Adaptionen anzugehen. Und es darf konstatiert werden, dass es ein besonderes Vergnügen darstellt, seine jederzeit angemessenen, aber niemals sklavisch imitierenden Versionen des legendären Liedguts, wie etwa dem kontrovers-provokanten „SS C’est Bon“ („Est-ce Est-ce Si Bon“), endlich goutieren zu können. Der Ausklang mit „The Decadence“, den Mick Harvey gemeinsam mit seiner Gattin Katy Beale (anstelle von Jane Birkin) eingesungen hat, bildet einen anrührenden Höhepunkt, der ihn dazu verleiten sollte, noch tiefer im Fundus des großen Franzosen zu graben.
Stephan Wolf

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 07/2016.

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