CD-Rezension / Review / Kritik

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the eye of time acoustic

The Eye Of Time
„Acoustic“
(Denovali/Cargo)
Ein zarter Hauch der Hoffnung durchzieht das neue Werk des französischen Künstlers Marc Euvrie. Nachdem der selbstbetitelte Vorgänger qua Haltung und Diktion das Konsortium Welt und Leben dichtzumachen erstrebte, dominiert nun unter Zuhilfenahme von Klavier und Cello eine Art Aufatmen. Oder: Eine trügerische Form der Erleichterung ob der Tatsache, dass sich diese Erde noch immer dreht. Begeben wir uns also mit Euvrie auf eine musikalische Reise. Sie führt und erinnert nun, das muss hervorgehoben werden, explizit auch an den Aufstand im Vernichtungslager Treblinka vom 02. August 1943. Die angemessen pessimistische Einstellung, von der das Debütalbum des studierten (und dennoch in der Hardcore-Szene großgewordenen) Musikers zeugte, ist einer subtilen Lieblichkeit gewichen, die angesichts der instrumental gehaltenen Kreationen eine noch größere Aufmerksamkeit einfordert, als dies der Vorgänger dank seiner Direktheit in Anspruch nahm. Wäre Claude Debussy etwas später geboren worden, hätte er die Schrecken der Weltgeschichte erlebt, die sich nach seinem Tod ereigneten, und hätte er dann bei Portishead angeheuert, dann klänge das Resultat womöglich wie The Eye Of Time. Schwere Kost, geschmackvoll dargeboten.
Stephan Wolf


Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 07-08/2014.

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