CD-Rezension / Review / Kritik

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Gin Devo Electrotheque CD Cover

Gin Devo „Electrotheque“

(Scanner/Soulfood)
Ist ja immer so eine Sache mit Instrumental-Alben: Nur wenige bieten genug Abwechslung, um über die komplette Spielzeit spannend zu sein. Um den Schwierigkeitsgrad noch ein wenig zu erhöhen, hat Altmeister Gin Devo für „Electrotheque“ auf jegliche Modernität wie Software, Plug-Ins und artverwandtes Tuning verzichtet. Sein drittes Solowerk ist ein reines Analog-Album, das unterschwellig immer ein bisschen schmuddelig und gewollt unsonor klingt, gerade dadurch aber erst seine raumgreifende Tiefe entfaltet. Bewusster Minimalismus, stark repetitiv geprägt, versetzt den Hörer in das elektronische Belgien der 80er Jahre, als der Untergrund noch ein rein analoger war. Aber auch frühe Kraftwerk und die englischen Cabaret Voltaire müssen als Paten für „Electrotheque“ genannt werden. Wobei Devo mit deutlich mehr Tempo agiert und sphärisch-nachdenkliche Tracks wie „City Of Light“ eher die Ausnahme sind. Rasant wie ein schnittiger Sportwagen gleitet „Electrotheque“ durch die Kurven der nächtlichen Großstadt, wobei man Devo dabei eher in Knight Riders Kitt wähnt als im hochgetunten Bond’schen Aston Martin. Das hat Stil – und definitiv auch sehr viel Charme!
Marc Urban

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 02/2017.
Saturday the 24th.
2017 Sonic Seducer Magazin

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