CD-Rezension / Review / Kritik

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Fury In The Slaughterhouse Little Big World Live Acoustic CD Cover

Fury In The Slaughterhouse „Little Big World – Live & Acoustic“

(Starwatch/Sony)
Mit dem Ende April im Hamburger Grünspan aufgezeichneten Akustikalbum öffnen Fury In The Slaughterhouse gleich ein halbes Dutzend Schubladen. Es wurden 23 ausgewählte Songs für das einzigartige Konzert von Jan Löchel komplett neu arrangiert. Es ist ein Album wie ein Solitär, dessen Glanz durch die Zeit nicht verblasst, sondern durch neue Fassungen immer wieder lebendig und jung erscheint. Thorsten Wingenfelder beschreibt diese Erkenntnis folgendermaßen: „Wir haben viel für das Konzert geprobt, aber im Endeffekt zeichnet unsere Band vor allem die Vielseitigkeit der einzelnen Mitstreiter aus. Deshalb durfte das Spontane regieren und ein Drittel des vorher Geprobten klang plötzlich ganz anders.“ Und so ist dieses Hörerlebnis weitaus mehr als ein Geschenk an die Fans und an die Band selbst geworden (die es ja eigentlich gar nicht mehr gibt). Fest steht, dem Hörer wird feinstes Handwerk mit emotionaler Tiefe geboten. Fury müssen niemandem mehr etwas beweisen und tun es dennoch in Gestalt der gezeigten Vielseitigkeit aller Musiker. Gitarrist Christof Stein-Schneider greift selbstverständlich zu Trompete und Harmonium, während die multi-instrumentale Gastmusikerin Anne de Wolff mit ihrem Violinenspiel bezaubert. Es gibt sie natürlich auch, die klassischen Fury-Songs. Sie werden aber umrahmt von Nummern, die einen an Folk-Musik denken lassen und die man so nicht erwartet hätte – ebenso wenig wie einmalige Textzeilen in deutscher Sprache, die einen bisweilen sogar schmunzeln lassen.
Melanie Socha

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 09/2017.
Sunday the 20th.
2017 Sonic Seducer Magazin

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