CD-Rezension / Review / Kritik

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Andreas Dorau Die Liebe und der Ärger der Anderen CD Cover

Andreas Dorau „Die Liebe und der Ärger der Anderen”

(Staatsakt/Caroline/Universal)
Auf die nächsten 50: Das erste halbe Lebensjahrhundert hat NDW-Veteran Andreas Dorau hinter sich gebracht – Teil der Feierlichkeiten war unter anderem das Album „Aus der Bibliothèque“ mit den Vorzeige-Mods Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen als Backing-Band. Auf Longplayer Nummer zehn verlässt sich der Hamburger nun auf mehrere Kooperationspartner: Produzenten-Koryphäe Moses Schneider ist genauso mit an Bord wie Techno-Recke Marco Haas alias T.Raumschmiere und Snap!-Macher Luca Anzilotti. Trotzdem ist dieses Doppelalbum mit respektablen 20 Stücken recht homogen geraten. Erzählt Dorau zu naiv-poppiger bis elektronisch klopfender Instrumentierung von der Sinnlosigkeit der Liebe und den Dingen, die Menschen für sie auf sich nehmen, ordnet sich nahezu alles seinem charmante Absurditäten formulierenden Gesang unter – eine der wenigen Ausnahmen bildet Françoise Cactus von Stereo Total, die in „Ein trauriger Tag“ stachlig dazwischen kiekst. Der Opener „Liebe ergibt keinen Sinn“ zitiert listig „Love Is A Bourgeois Construct“ von den Pet Shop Boys, „Stadt aus Musik“ erschafft eine perkussive urbane Utopie, und der entwurzelte Balearic Beat von „Ich seh schwarz“ gibt sich lange nicht so pessimistisch wie der Songtitel. Eigenen Angaben zufolge peilt Dorau mit „Die Liebe und der Ärger der Anderen“ übrigens die Charts an – und wenn die Welt halbwegs gerecht ist, sollte dieses scheinzahm swingende Album dort ein warmes Plätzchen finden. Denn Humor ist, wenn man trotzdem kauft. Oder gerade deswegen.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 07/2017.