CD-Rezension / Review / Kritik

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djustin voyagers 2017
Djustin
„Voyagers“
(Labrador/Broken Silence)
Wo ist Johan Angergård eigentlich nicht? Man schlurft morgens zur Kaffeemaschine – da steht er schon mit Tasse in der Hand. Auf dem Weg zur Arbeit fährt er plötzlich den Bus. Und wenn man feststellen muss, dass einem über Nacht der Job gekündigt wurde: Dreimal dürft Ihr raten, wer nun an dem Schreibtisch sitzt, der früher der eigene war. Okay, wir übertreiben jetzt ein bisschen. Aber die Omnipräsenz des Schweden ist erstaunlich, denn für rund die Hälfte der Acts auf seinem Label Labrador zeichnet er persönlich (mit-)verantwortlich: The Legends, Club 8, Acid House Kings, Eternal Death, Pallers – irgendwas vergessen? Ach ja, richtig: Sein neuestes Ding ist das Duo Djustin, das er mit der Detroiterin Rose Suau betreibt und das die in letzter Zeit vom Skandinavier verstärkt eingeschlagene Richtung fortsetzt: Indie-Gitarren raus, Achtziger-Feeling und Synthie-Pop rein, Chvrches oder Visions Of Trees vor dem geistigen Ohr. Das ist alles im Grunde simpel gestrickt – dennoch erzielen fette Durchlaufsequenzen, das knackige Uptempo der Single „Dancing“ und Suaus flirrende Vocals den maximalen Effekt. Auch und gerade in lasziven Schleichern wie dem Titelstück oder „Birthday“. Wenn man dieser unterhaltsamen halben Stunde Plastik-Disco etwas vorwerfen will, dann allenfalls, dass es zusehends schwerer fällt, Angergårds musikalische Inkarnationen auseinanderzuhalten. Mehr zum Thema in diesem Rezensionsteil unter dem Buchstaben L.
Thomas Pilgrim



Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 05/2017


Sunday the 20th.
2017 Sonic Seducer Magazin

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