CD-Rezension / Review / Kritik

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eagulls

Eagulls
„Eagulls“
(Partisan Records/Rough Trade)
‚It’s grim up North’, wussten schon The KLF – und auch durch die Platten von Gang Of Four oder Red Lorry Yellow Lorry wehte einst der kalte Betonhauch des nordenglischen Leeds. Es wird also Zeit, dass eine Band von dort oben mal wieder richtig einheizt, und Eagulls übernehmen diesen Job gerne. Mit offenbar zusammengebissenen Zähnen hat das Quintett nach den Singles „Nerve Endings“ und „Tough Luck“ acht weitere rohe Stücke frenetischen Post-Punk eingespielt, bei dem die Gitarren mit dem kehligen Organ von Sänger George Mitchell um die Wette johlen und Bass und Drums die rohe Grundlage bilden. Und obwohl die Songs desillusionierte Titel wie „Hollow Visions“ oder „Soulless Youth“ tragen, ist das Tempo durchgängig hoch, die Stimmung angriffslustig und dieses Album der ideale Gegenpart zur trostlos-erloschenen Atmosphäre, die das Cover mit ausgebranntem Autowrack vor tristem Wohnblock suggeriert. Vielmehr atmen das manische „Possessed“ oder das kickende „Footsteps“ punkrockige Unbeugsamkeit statt bleierne Schwermut. Mithin erinnert „Eagulls“ vor allem an die mies gelaunten Schweden Holograms oder auch an die Nordiren von Girls Names, wenn Letztere einmal keine Séancen an regnerischen Nachmittagen abhalten. Eagulls tun das ohnehin nicht, denn ihr Rezept lautet: Kellerclub geentert, Gitarren umgeschnallt und eine gute halbe Stunde disziplinierten Lärm mit dunkler Schlagseite gemacht. Danach geht es ihnen besser. Und dem Hörer auch. Ganz bestimmt.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 03/2014.


Saturday the 19th.
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