CD-Rezension / Review / Kritik

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earthship withered

Earthship

„Withered“
(Pelagic/Cargo)
2010 hob The Ocean-Drummer Jan Oberg Earthship aus der Taufe; mit „Withered“ legen die von Kritikern hochgelobten Metaller nun ihr Drittwerk vor. Dabei gilt hier immer noch: Der Bandname ist Programm, schließlich klingt jeder Ton derart schleppend und staubig, als würde er sich genussvoll durch die Erde wälzen. Besonders deutlich wird das im Opener „Sanguine“, der mit entschleunigten Riffs erst mal drohend-böse loslegt, bevor es im folgenden „Serpent Cult“ mit anrollenden Soundwellen richtig zur Sache geht. Den besonderen Reiz macht wohl aus, dass Earthships Sound trotz aller Härte immer einen gewissen Groove beinhaltet. Genau deshalb wirkt das, was das Berliner Quartett auf „Withered“ bietet, selbst im Angesicht der mächtigen Riff-Wogen, schweren Drumeinsätze und überwiegend düster-gegrowlten Vocals auch nie zu plakativ, sondern kommt mit einer angenehm entspannten Attitüde daher. Das bei so mancher anderen Metal-Band etwas infantile Um-jeden-Preis-böse-Klingen wird von Earthship gekonnt entpubertisiert, die schwarzen Kutten mit etwas Stoner-Sonne vintagig ausgebleicht und mit einem auf dieser Platte durchaus passendem Lo-Fi-Staub bedeckt. Insofern fällt wenig ins Gewicht, dass die Qualität der Produktion angesichts des arg unscharfen Sounds ziemlich zu wünschen übrig lässt. Das Ergebnis ist ein angenehm warmer, Riff-dominierter Klang, der nichts von seiner – positiv – erschlagenden Metal-Kraft eingebüßt hat.
Hannah M. Seichter

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 10/2014.


Saturday the 19th.
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