CD-Rezension / Review / Kritik

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erik cohen nostalgie für die zukunft

Erik Cohen
„Nostalgie für die Zukunft“
(RYL NKR Recordings/Rough Trade)
Mit Dingen, die qualmen und stinken, kennt sich Erik Cohen aus. Der Norddeutsche heißt nämlich eigentlich Jack Letten und steht ansonsten den Kieler Hardcore-Stoner-Rockern Smoke Blow vor, die dieser Tage ihr 16. Jubiläum begehen. Und zur Feier des Tages beziehungsweise Jahres hat sich der Frontmann etwas Besonderes ausgedacht: sein erstes Soloalbum unter Pseudonym, auf dem Letten als Erik Cohen anders als bei Smoke Blow angedunkelte, mit Post Punk und Alternative-Rock kumpelnde Songs spielt. Die Antithese im Titel erscheint zunächst naheliegend – schnell kommt man aber dahinter, dass diese Nostalgie spitzfindig und bildgewaltig die unwirtliche Realität aufarbeitet und die Zukunft nicht mehr das ist, was sie mal war. Das verdeutlicht die Selbstironie von „Omega Mann“ genauso wie die Bestandsaufnahme „Stadt“, in der Letten die fortschreitende Gentrifizierung und Gefahrenzonen-Werdung seiner Wahlheimat Hamburg beklagt – und schließlich das Weite sucht. Allerdings nicht, ohne zuvor mit der Single „Dirigent“ auch der Elbphilharmonie noch hinterrücks einen reingewürgt zu haben. Würde das Ganze in Düsseldorf stattfinden, hätte Peter Hein von Fehlfarben sicher auch etwas zu entsprechenden Lokalthemen zu sagen, und wer sich zu diesem Album Rockformation Diskokugel mit vollmundigem Rifforama vorstellt, liegt ebenso wenig falsch. Denn kraftvolle deutschsprachige Rock-Musik gegen alle Idioten, die einem das Leben schwermachen, kann man immer gebrauchen.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 02/2014.

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