CD-Rezension / Review / Kritik

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Boytronic Jewel CD Cover

Boytronic „Jewel”

(Oblivion/SPV)
Auch ohne Gründungsmitglied und Sänger Holger Wobker schaffen es Boytronic, im Glanz der frühen Jahre zu erstrahlen, selten waren die 1980er präsenter als auf ihrem neuen Album, bei dem sie mit dem englischen Sänger James Knights zusammenarbeiteten. „Jewel“ ist vielleicht einfach nur das Album, das A Flock Of Seagulls mit Visage zusammen aufnahmen, aber niemals veröffentlichten - zumindest klingt es so. Auf „Jewel“ treffen opulent inszenierte Synthielandschaften auf magisch-eingängige Melodien und treibende, tanzbare Beats, während ein Sänger mit sanft-schmelzender Stimme die 1980er für die Spielzeit einer CD zurückholt. Boytronic experimentieren nicht, sondern treiben sich vergangenheitsverliebt auf den bewährten Pfaden zwischen Synthiepop und Wave herum. Dass sie mit „New Year’s Day“ ausgerechnet einen Song von U2 covern, ist ungewöhnlich, aber gut gelungen - die Version fügt sich nahtlos in das Gesamtgefüge des Albums ein. Durchgehend nett anzuhören, besonders schön der tanzbare Opener „Time After Midnight“ sowie „Dark Passion“, dem James Knights ein wenig von der melodramatischen Sanftheit eines Marc Almond hinzufügt.
Karin Hoog

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 11/2017.
Sunday the 20th.
2017 Sonic Seducer Magazin

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