CD-Rezension / Review / Kritik

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Jennie Abrahamson Reverseries CD Cover

Jennie Abrahamson „Reverseries”

(How Sweet The Sound/Indigo)
Als Jennie Abrahamson aus Schweden 2011 ihr drittes Album „The Sound Of Your Beating Heart” veröffentlichte, war angesichts teils melancholischer, teils unerhört ohrwurmig swingender Folk-Popsongs der Vergleich mit der grade schwer durchstartenden Landsmännin Lykke Li quasi unausweichlich. Doch da Abrahamson anders als diese auf einen Nummer-eins-trächtigen Umz-Umz-Remix verzichtete und kein Telekommunikations-Werbespot wie für die ebenfalls nicht unähnliche Norwegerin Aurora die Nachfrage verstärkte, blüht ihre Musik bis heute mehr oder weniger im Verborgenen. Und so werden auch nur wenige mitgekriegt haben, dass die 39-Jährige inzwischen bei feingliedrigem Electro-Pop angekommen ist, der ihr mindestens genauso gut zu Gesicht steht wie ihre früheren, musikalisch organischeren Arbeiten. Longplayer Nummer fünf verzichtet jedoch meist darauf, auf der Tanzfläche die Sau raus zu lassen, flirtet im eindringlichen „You Won Me Over“ oder bei „Not In My Name“ aber umso heftiger mit den Rhythmusstrukturen des aktuellen Neo-R’n’B. Der wunderbaren Single „To The Water“ kann nicht einmal der stellenweise überdosierte Autotune-Einsatz etwas anhaben – vielleicht der Moment, in dem man am ehesten an die weniger aufmüpfigen Anwandlungen von Chvrches denken muss. Noch so ein Name, mit dem verglichen zu werden Abrahamson auf „Reverseries“ gar nicht nötig hat.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 04/2017.