CD-Rezension / Review / Kritik

Drucken
All We Are Sunny Hills CD Cover

All We Are „Sunny Hills“

(Domino/GoodToGo)
Manche Bands müssen sich im übertragenen Sinne erst selbst finden. Wie All We Are aus Liverpool, die aus einer Norwegerin, einem Brasilianer und einem Iren bestehen. Ihr selbstbetiteltes Debüt probierte vor zweieinhalb Jahren einiges aus: verhuschten R’n’B-Pop, Spandexhosen-Disco der Richtung Scissor Sisters oder luftigen Indie-Minimalismus Marke The xx. Am stärksten waren sie in letzterer Disziplin, vor allem, wenn sich eine leichte Post-Punk-Kante dazugesellte. Auf Album Nummer zwei hat das multinationale Trio nun die Faxen dicke und pflegt einen im Vergleich zum Erstling rigorosen Dance-Stil, bei dem einem die Kracher reihenweise ins Gesicht springen. Die Single „Burn It All Out“ braucht etwas Zeit, wächst dann aber zu einem hyperaktiven Klopfer heran – so könnten We Have Band oder Fenech Soler klingen, wenn sie nicht bloß immer nur einen Hit raushauen und den Rest ihrer Platten im Mittelmaß versumpfen lassen würden. Preschen die Ohrwürmer „Human“ und „Waiting“ zu dynamischen Bassläufen voran, ist auch Post-Punk wieder ein Thema, und All We Are klingen plötzlich wie die frischesten New Order seit Jahrzehnten. Ausgerechnet bei „Dance“ könnte man sich aufgrund der verschachtelten Rhythmik am ehesten die Beine verknoten, doch ansonsten macht der muntere Dreier noch zwingender dort weiter, wo Little Cub letzten Monat aufgehört haben. Ein überzeugender Fortschritt für All We Are – und es sind nicht bloß die paar Meter zur Tanzfläche gemeint.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 06/2017.