CD-Rezension / Review / Kritik

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Ajattara Lupaus CD Cover

Ajattara „Lupaus“

(Svart Records/Cargo)
Dass die Finnen um den ehemaligen Amorphis-Sänger Pasi ‚Ruoja‘ Koskinen auch diesmal keine Musik für Bridgeabende und Teestunden machen, war zu erwarten. Die Urgewalt, mit der das Quintett in „Saatanan Sinetti“ auf Satans Siegel losstürmt, ist dann aber doch angenehm überraschend. Frontal prescht die Eröffnungsnummer auf den geneigten Hörer ein. Gerade überlegt man, ob der Schalldruck der Combo wohl dauerhaft den Fön ersetzen könnte, da folgen das hymnische „Ristinkirot“ und das schleppende „Suru“, das abgesehen von den extrem aggressiven Vocals durchaus Gedanken an Paradise Lost zulässt. Ajattara zeigen durchgehend Biss, zielen aber eben nicht in jedem Moment auf die Kehle, sondern begnügen sich hin und wieder auch damit, einen gekonnt am Nacken zu packen und durchzuschütteln. Geradezu sakrale Passagen mit Chören und Orgeln im Hintergrund, die aber nie in Pseudo-Okkult-Kitsch abgleiten („Amen“) untermauern die majestätische Dunkelheit dieses Albums, das – wenngleich Titel wie „Ave Satana“ anderes vermuten lassen – nichts mit Teufelszeug zu tun hat. Es geht um die Abgründe, die wir in uns tragen, was zweifellos finster genug ist. Die gewiefte Mischung aus Melodien, die sich von hinten anschleichen, und reinigender Aggressivität macht „Lupaus“ zu einem ausnehmend guten Extrem-Metal-Opus, das gleichzeitig weitgehend schnörkellos auf den Punkt kommt und ausreichend Tiefe besitzt, um empfängliche Seelen auch langfristig zu fesseln.
Christoph Kutzer

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 06/2017.
Tuesday the 15th.
2017 Sonic Seducer Magazin

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