CD-Rezension / Review / Kritik

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blaudzun promises of no mans land

Blaudzun
„Promises Of No Man’s Land“
(Glitterhouse/Indigo)
Was das Niemandsland wohl so verspricht? Nicht allzu viel, betrachtet man das Cover von „Promises Of No Man’s Land“, das einen nackten, androgynen Jungmenschen mit Blumenkranz zeigt, der auf einem Bärenfell hockt. Musikalisch sieht es da schon ganz anders aus: Das vierte Album des Niederländers Johannes Sigmond alias Blaudzun braucht nicht lange, um jeden Hörer zu verzaubern, der eine Schwäche für gefühligen und trotzdem hochfahrenden Indie-Folk mit dramatischen Dimensionen hat. Angefangen hat Sigmond etwa wie seine minimalistischeren belgischen Nachbarn Isbells, potenziert hier seinen Sound aber in teilweise so schwindelerregende Höhen, dass man spontan irgendjemanden oder -etwas umarmen möchte. Und zwar schon nach dem Titelstück, das die Verheißung des Openers „Euphoria“ mit aller Macht einlöst – und zwar mit bombastischem Arrangement aus akustischen wie elektrischen Gitarren, Piano, Streicherensemble, Harmonium und anderen tollen Dingen. Sigmond seufzt und jubiliert mit dem verschwenderischen Instrumentarium um die Wette wie Scott Matthew in seinen sehnsüchtigsten Momenten – stellvertretend sei das prachtvolle „Hollow People“ genannt, das ihm wohl selbst so sehr ans Herz gewachsen ist, dass direkt im Anschluss eine zweiminütige Reprise folgt. Und danach ist erst die Hälfte eines Albums erreicht, das noch zahlreiche weitere Köstlichkeiten bereithält. Bald ist Frühling – großes Ehrenwort.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 03/2014.


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