CD-Rezension / Review / Kritik

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Alaric End Of Mirrors

Alaric
„End Of Mirrors“
(Neurot/Cargo)
Mal wieder Stoff, aus dem die schönsten Träume sind. Träume, wie sie einem scheinbar nur das auf Neurosis zurückgehende Label Neurot zu bieten imstande ist. Schon das in Eigenregie veröffentlichte Debütalbum sowie der Split mit Atriarch sprachen in Sachen Qualität eine verlässliche Sprache. Doch auf „End Of Mirrors“ findet das Quintett aus Oakland zu einem überraschend klaren Idiom, das letztlich nur als ihr ureigenes zu deuten und zu verstehen bleibt. Selbst nahezu lupenreine Doom-Passagen, die Alaric wie kleine Auflockerungen einstreuen, trüben nicht das souverän inszenierte Bild einer grenzwertigen Grundverfassung, der es gelingt, sich am eigenen Schopfe aus der Scheiße zu zerren. So zelebrieren Sänger Shane Baker und Komplizen Szenen der Läuterung, deren epiphanischer Effekt dazu imstande ist, den Schmerz der Welt zu umarmen. Sollte Jaz Coleman doch einmal abtreten wollen: Mit Alaric stünden die Nachfolger zu Killing Joke bereit, auch wenn sie eher bei den Anfängen der Über-Band ansetzen, als bei deren neuerlichen Überhöhungen des allgegenwärtigen Wahnsinns. Die Krankheit ist (nicht) zum Tode, so steht es bei Johannes 11:4, Goethe und Kierkegaard. Verzweiflung als Genuss, ungesüßt und doch mit dem Nährwert von Energieriegeln gesegnet: Die Nahrungsumstellung, sie mag mit Alaric gelingen. Denn sie haben nun mal jenen Stoff am Start, der - vor allem - schmeckt.
Stephan Wolf

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 06/2016.


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