CD-Rezension / Review / Kritik

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Julianna Barwick Will

Julianna Barwick
„Will“
(Dead Oceans)
Ein Mikrofon, ein Loop-Pedal und eine Vorliebe für Minimal Music à la Philip Glass: Das ist der Stoff, aus dem Pastorentochter Julianna Barwick entrückte Klanglandschaften wie „Nebula“ webt. Das auf sanften Ambient-Keyboardteppichen gebettete „Same“ oder das nach Kloster-Kreuzgang klingende „Big Hollow“ lassen den Einfluss der Choräle aus der Kindheit der in New York lebenden Künstlerin durchschimmern. Letzteres überrascht sogar mit einer zweiten Stimme, die sich mit den Vokalschichten der Sängerin vermengt: Thomas Arsenault, seines Zeichens Komponist elektronischer Musik aus Montreal. Sein Organ bildet keinen großen Kontrast, sondern verschmilzt ganz mit Juliannas auf Text verzichtendem Vokalgebilde. „Will“ bedarf der Bereitschaft, in Ruhe zuzuhören und den Gedanken nachzuhängen, die mit Barwicks Klangcollagen aufsteigen: Erinnert das Klavier, das zu Beginn von „Heading Home“ erklingt, nicht an Erik Satie? Sind wir nun am Hudson River oder an der Seine? Egal: Alles fließt in dieser meditativen Klang-Oase. Wer sich eine Mischung aus Lisa Gerrard (eher vom Stimmeinsatz als vom Timbre her) und Cocteau-Twins-Stimme Elizabeth Fraser reizvoll vorstellt und nicht vor Musik zurückschreckt, die auf repetitiven Pattern beruht und sich oft minutenlang aufbaut, wird hier selig in den akustischen Welten eines intensiven Albums versinken.
Christoph Kutzer

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 05/2016.

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