CD-Rezension / Review / Kritik

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archive restriction

Archive
„Restriction“
(Dangervisit/[PIAS] Cooperative/Rough Trade)
Titel sind manchmal Schall und Rauch. Auch auf dem neunten Studioalbum von Archive. Das britische Kollektiv um Darius Keeler schert sich nämlich wenig um Beschränkungen, titscht von TripHop zu Prog- und Alternative-Rock und wieder zurück und hat nach knapp 20 Jahren mehr Musiker in den eigenen Reihen geführt, als andere Bands Konzertbesucher begrüßen dürfen. „Restriction“ erscheint nur neun Monate nach dem letzten Werk „Axiom“, was dafür spricht, dass der imposante, wenn auch relativ kurze 2013er Soundtrack eher eine Zwischenmahlzeit war – und die stilistische Bandbreite der zwölf neuen Songs bestätigt das. Da geht dieses Album mit dem rauen Rocker „Feel It“ ungewohnt aufgekratzt ins Rennen und lässt Archive kurzzeitig ein bisschen wie Kasabian klingen, bevor das Titelstück einen Groove-Karton mit vertrackt achtelnden Gitarren auskleidet und „Kid Corner“ zu angespannten Breakbeats vor Kindern mit Knarren warnt. Erneut drückt Sängerin Holly Martin gerade den ruhigeren Stücken mit ihrer variablen Stimme den Stempel auf. Gönnt sich „Restriction“ diverse Verschnaufpausen, dann nur, damit Songs wie „Ride In Squares“ und „Ruination“ wieder in die Vollen gehen können. Womit das Soundbild insgesamt so beunruhigend bleibt wie die beackerten Themen, unter denen omnipräsente Überwachung nur das offensichtlichste ist. Nicht ausschließlich musikalisch präsentieren sich Archive also erneut als wichtige Band – mit einem weiteren grenzenlos guten Album.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 02/2015.

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