CD-Rezension / Review / Kritik

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cabaret voltaire 8383 collected works

Cabaret Voltaire
„#8385 (Collected Works 1983-1985)“
(Mute/GoodToGo)
Eine dicke Schatzkiste ist das Boxset, mit dem die zweite Phase in der Karriere von Cabaret Voltaire aufgearbeitet wird. Den Weg vom minimal-elektronischen Industrial zu kommerzielleren Klängen zwischen Synthpop, Funk, House, Techno und Avantgarde markierten die drei Alben „The Crackdown“, „Micro-Phonies“ und „The Covenant, The Sword And The Arm Of The Lord“ sowie die EP „Drinking Gasoline“, die den Kern der Box bilden. Es ist ein schmaler Grat, auf dem Cabaret Voltaire nach dem Ausstieg von Chris Watson wandelten. Zum einen geprägt vom Wunsch, ein größeres Publikum zu erreichen, der Kompromisse erforderte, zum anderen das Selbstverständnis als avantgardistisch-politische Band, die sich nie ganz dem Pop verschreiben wollte. Die Widersprüche begegnen sich in Form der bekannten Songs wie „James Brown“, „Just Fascination“ oder „I Want You“ und sperrigeren Stücken wie „The Arm Of The Lord“ oder „Whip Blow“ (der nebenbei Trent Reznors „Pretty Hate Machine“ vorwegnahm). Ergänzt werden die Alben von zwei zusätzlichen CDs mit zwölf unveröffentlichten Tracks und der Compilation „12“ As And Bs“, zwei DVDs mit Konzertmitschnitten (Bedford Boys Club, August 1984 und Hammersmith Palais, Dezember 1984) und dem Experimentalfilm „Gasoline In Your Eye“ sowie einem großformatigen Booklet. Ganz günstig ist das liebevoll aufgemachte Sammlerstück nicht, vor allem wenn man zur limitierten Edition greift, die um vier Vinyle angereichert wurde. Doch es steckt in diesem kiloschweren Release so viel Klang und Geschichte, dass man sogar musikbegeisterte Einbrecher damit erschlagen könnte.
Torsten Schäfer

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 11/2013.

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