
Claudia Brücken
„Where Else”
(Cherry Red/Rough Trade)
Federnde Piano-Akkorde fallen, akustische Zupfgitarren erklingen und untermalen Balladen und Pop-Perlen von sanfter Intensität. Und über allem schwebt diese Stimme von Reinheit: Claudia Brücken legt zwei Jahre nach ihrem überzeugenden Coverversionen-Album „The Lost Are Found“ ein frisches Werk von nunmehr größtenteils selbst komponierten Liedern vor. Diese Songs geraten ihr durchweg sehr ruhig, in sich schwebend, sinnlich, das Ohr des Hörers umgarnend – und überzeugend eingängig. Mit „Nevermind“, „How Do I Know“ oder „Letting Go“ werden die rein balladesken Gefilde verlassen, um ein cooles, vom Bluesrock und Funk inspiriertes Poprock-Feeling darzubieten: Souverän, sommerlich, und doch von leiser Melancholie erfüllt; überspannt von schlichtweg entwaffnender Intimität und Ehrlichkeit. „Walk Right In“ verblüfft mit einer echten Originalmelodie, die mittels Celli, Spinett und Beatles-gleicher Bassläufe McCartney-Flair verbreitet – nur dass Paule eben nicht über eine solch fast unschuldig klingende Frauenstimme verfügt. Und wenn ein Lied wie „Moon Song“ in wahres Easy Listening hinein schwirrt, dann ist es nicht einmal schlimm, sondern ganz einfach: passend. Stille Emotionalität, Sehnsucht und die Beschreibung ganz fundamentaler zwischenmenschlicher Gefühlsverwirrungen: Dies ist verletzliche, zeitlose und berührend sanfte Popmusik.
Kym Gnuch
Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 10/2014.