CD-Rezension / Review / Kritik

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zeitkratzer keiji haino

Zeitkratzer + Keiji Haino
„Zeitkratzer + Keiji Haino“
(Zeitkratzer/Broken Silence)
Unter Intendant Heiner Goebbels hat die Ruhrtriennale eine Reihe von spektakulären musikalischen Inszenierungen dazugewonnen, welche extreme Nischenmusik auf die Spielplätze der Hochkultur verpflanzte: Ryoji Ikedas riesige AV-Installation im Duisburger Landschaftspark, Boredoms Auftritt auf Halde Haniel und nicht zuletzt das Gemeinschaftskonzert von Zeitkratzer und Keiji Haino in der Bochumer Jahrhunderthalle. Dieser Auftritt liegt nun als Mitschnitt vor. Haino konzentriert sich komplett auf seine Stimme und reizt ohne jegliche elektronische Manipulation die lautmalerischen Möglichkeiten menschlicher Stimmbänder aus. Das Zeitkratzer Ensemble um Reinhold Friedl umspielt ihn mit Streichern, Bläsern, Klavier, Schlagzeug und etwas Elektronik – und bleibt dabei gewohnt detailliert und kratzig. Die Zusammenführung von zeitgenössischer Musik und Noise ist jedoch nur eine Seite von Zeitkratzers Mission. Nicht minder hoch genug geschätzt werden kann ihr Ansatz, sich in ihren Arbeiten ausschließlich auf die ästhetischen Aspekte zu stützen und nicht auf deren sozialen Kontext, wodurch neue Konstellation erst möglich gemacht werden.
Sascha Bertoncin

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 10/2014.


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