CD-Rezension / Review / Kritik

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Wire Silver Lead CD Cover

Wire „Silver / Lead”

(Pink Flag/Cargo)
40 Jahre Wire – und noch schwer auf Draht. Tja, das kommt davon, wenn man sich bei seiner Gründung einen Bandnamen aussucht, der zu hanebüchenen Wortspielen einlädt. Ungeachtet dessen bleiben Colin Newman und Kollegen auch auf ihrem 15. Album eine verlässliche Größe zwischen sehnigem Post-Punk der ersten Stunde und gediegenem Indie-Rock mit voluminösen Dimensionen. Und der Opener „Playing Harp For The Fishes“ klingt mit dicken Drums und verschlepptem Tempo nicht nur im Titel nach „Fishes Bones“, dem letzten Stück des Vorgängers „Nocturnal Koreans“. Doch „Silver / Lead“ erinnert vom Cover her nicht umsonst an das Design früher Platten der Briten: Der rabiate Punkrocker „Short Elevated Period“ wäre auch auf „Pink Flag“ oder „Chairs Missing“ nicht fehl am Platze gewesen, „Diamonds In Cups“ wirkt mit seinem rigiden Riffing dagegen wie eine disziplinierte Version von T.Rex’ „Get It On“, dem man sämtlichen Glamour von den Knochen geschliffen hat. Und auch eher gemütlich daherschlurfende Stücke wie „Sonic Lens“ oder „Sleep On The Wing“ sind so punktgenau arrangiert und gespielt, wie man es spätestens seit dem 2003er Quasi-Comeback „Send“ kennt. Was sicher nicht nur am erst zwei Jahre zur Band gehörenden Gitarristen Matthew Simms liegt – sondern hauptsächlich daran, dass die Briten inzwischen offenbar nichts mehr falsch machen können. Vermutlich auch nicht zum 50-Jährigen.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 04/2017.
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2016 Sonic Seducer Magazin

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