CD-Rezension / Review / Kritik

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wray hypatia

Wray
„Hypatia“
(Communicating Vessels/Rough Trade)
Kleine feministische Geschichtskunde: Hypatia ist der Name einer Astronomin und Philosophin aus dem 5. Jahrhundert, die von einem christlichen Mob gelyncht wurde. Zwar wollen wir keine allzu waghalsigen Zusammenhänge konstruieren, dennoch fällt auf: Die dunstigen Songs von Wray aus Birmingham, Alabama erinnern ausgerechnet an die nordirische Band Girls Names, die auf ihren Platten „The New Life“ und „Arms Around A Vision“ melancholisch-schaumgebremsten Indie-Rock mit stoischer Kraut-Motorik unterlegte. Ähnlich geht es auf dem zweiten Album dieses Dreiers nach dem selbstbetitelten Debüt zu: „Below“ braucht noch eine Weile, um auf Touren zu kommen, doch schon „Giant“ und das Titelstück preschen nach vorne, sammeln Psych-Rock, ein bisschen Post-Punk und Shoegaze ein und gönnen sich hin und wieder eine wabernde Interlude. Der Fuzz-Anteil ist im Vergleich zum Vorgänger zwar heruntergefahren, dafür führen Wray vereinzelt twangige Surf-Gitarren in ihren Sound ein – sofern man das Wasser unter dem Brett durch Sirup ersetzt. Und „Jennifer“ ist nicht bloß ein weiterer Frauenname, sondern eine Coverversion des 1973er Klassikers von den deutschen Krautrockern Faust, den das Trio zu einem ordentlich beschleunigten Kracher umarbeitet. Vielleicht hätte Hypatia sogar dazu getanzt. Aber da sie das schon lange nicht mehr kann, tun wir das jetzt mal.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 05/2016.


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