CD-Rezension / Review / Kritik

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shorai interference

Shorai
„Interference“
(Hands Productions/Cargo)
Wieder deutlich mehr Alarm bei Fernando Garcia, der zuletzt eine ruhigere Kugel schob. Hoch ist der Output mit etwa drei Jahren Pause zwischen den Alben nicht, doch das neue mit 75 Minuten Spielzeit knallvoll. Wie bei der letzten Platte haben alle Tracks exakt die gleiche Spielzeit, fünf Minuten diesmal, was 15 Teile in Summe macht. Die Beats fliegen einem sofort um die Löffel, gebrochen rhythmische, noisige Drums mit einem dicken Bass auf der Zwölf fräsen sich hinein, ein Schwarm derber Klänge grätscht flirrend immer wieder dazwischen. Schallwellen überlagern sich zu konstruktiven und vor allem destruktiven Interferenzen, wobei man letztere nicht hören kann, wie wir aus dem Physikunterricht wissen. ‚Destruktiv’ klingt aber besser, dem Kontext angemessener. Alle Sinne sind geschärft, doch fährt der Spanier zunächst wieder ein Stück zurück. „Spectral Overlap 2“ und „Modulated Rna“ sind aufgeräumter, gehen eher in Richtung treibender Electro, bei „Lo-Fi Video Chat“ kling-klangt mal wieder Kraftwerk zwischen den Tönen und „Looking In The Scrap For Spare Parts“ ist gar reduziert und ambient, bevor ab Albummitte für längere Zeit das blanke Chaos ausbricht. Nach dem Drum’n’Noise-Monster „Demasiadas Notas“ befinden sich alle Strukturen in Auflösung beziehungsweise folgen unergründlichen Gesetzen, die Spezialisten wie Richard D. James einst definierten, gebettet natürlich in eine infernalische Geräuschkulisse. Beug dich oder du wirst gebrochen!
Jörn Karstedt

Rezension aus Sonic Seducer 12/2013.


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